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Mumien 2018-04-23T19:57:39+00:00

RÄTSELHAFTE GESCHICHTE

Die Mumien von Schloss Sommersdorf

In einem der ausgedehnten Wehrgänge unterhalb der Kirche befindet sich eine Familiengruft. Die hier beigesetzten Toten, weitgehend Mitglieder der Familie von Crailsheim, sind ohne einbalsamiert worden zu sein, mumifiziert.

Eine Lithographie von Johann Bergmann aus dem Jahr 1833 zeigt die fünf Mumien der Sommersdorfer Gruft (von links nach rechts):

Abbildung 1: Julius Wilhelm Freiherr von Crailsheim, Truhenmeister des Kantons Altmühltal und Patrimonalrichter zu Sommersdorf-Thann, der 1812 bei einem Jagdunfall tödlich verletzt und in der Gruft beigesetzt wurde.

Abbildung 2: Die Identität der Mumie ist unklar, wahrscheinlich handelt es sich um eine Frau von Rauber.

Abbildung 3: Luise Freifrau von Schenck von Geyern, geborene Freifrau von Crailsheim.

Abbildung 4: Sophie Luise von Kniestätt, geborene Freifrau von Crailsheim. Sie starb mit 42 Jahren nach der Totgeburt ihres achten Kindes am Kindbettfieber. Die angewinkelten Arme und verkrampften Hände und Füße legen den Verdacht nahe, dass die Wöchnerin scheintot beigesetzt wurde.

Abbildung 5: Freiherr von Holz, ein Verwandter der Familie von Crailsheim, fand während des 30-jährigen Krieges auf Schloß Sommersdorf Aufnahme. Er starb  unter ungeklärten Umständen. Freiherr von Holz ist für die damalige Zeit ungewöhnlich groß, bemerkenswert sind die hohen Stulpenstiefel der damaligen Zeit, mit denen er beigesetzt wurde. Die Mumie ist sehr gut erhalten.

Weitere Informationen finden Sie hier „The Sommersdorf mummies—An interdisciplinary investigation on human remains from a 17th-19th century aristocratic crypt in southern Germany“

Blick in die Gruft von Schloss Sommersdorf. CC BY license, with permission from the Society for Historical Archaeology, original copyright A. Alterauge, 2014

Die Gruft erlebte eine wechselvolle Geschichte. 1806 entdeckten napoleonischen Besatzer die mumifizierten Vorfahren der von Crailsheim in der Familiengruft, die Nachricht erweckte allgemeine Neugier. 1822 wurde die Gruft restauriert und die Deckel der Sarkophage zugeschraubt. Dies sollte jedoch nicht von langer Dauer sein – Schaulustige öffnete sie wieder. Erst 1864 wurde den Mumien wieder Ruhe zuteil und die Sarkophage verschlossen. 1871 liess Prinz Adalbert von Bayern die Gruft durch den Dorfschmied aufbrechen und einige Särge gewaltsam öffnen.

Die Toten der Gruft Sommersdorf sind nicht einbalsamiert. Über die Ursache der Mumifizierung wurde viel spekuliert. Es war die Rede von unterirdischen Wasseradern und Erdstrahlen. Amerikaner hatten mit einem Geigerzähler nach dem 2ten Weltkrieg angeblich Radioaktivität festgestellt. Bei späteren Untersuchungen konnte dies nicht nachgewiesen werden.

AUFREGENDE FORSCHUNG

Internationale Ausstellungen

Im Rahmen der Ausstellung „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ (REM Museum Mannheim) wurden im Jahr 2007 in Mannheim umfangreiche Untersuchungen der Mumien durchgeführt. Die Forscher kamen zum Ergebnis, dass die Ursache der Mumifizierung durch Austrocknung des Körpergewebes zu erklären ist.

Ab 16.9.2018 bis 31.3.2019 kommen die Mumien mit der Ausstellung „Mumien – Geheimnisse des Lebens“ zurück ans Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim.

Lesen Sie hier den Research Article von Amelie Alterauge, Manuel Kellinghaus, Christian Jackowski, Natallia Shved, Frank Rühli, Frank Maixner, Albert Zink, Wilfried Rosendahl, Sandra Lösch „The Sommersdorf mummies—An interdisciplinary investigation on human remains from a 17th-19th century aristocratic crypt in southern Germany“.

Zwei der Mumien: der Obrist von Holz und Sophie Freifrau Schenck von Geyern wurden von 2010 bis 2017 in der Ausstellung „Mummies of the World“ in mehreren Museen in den USA gezeigt. Die Ausstellung wird ab Februar 2018 in Prag später in Budapest fortgesetzt.

Weitere Informationen zur Ausstellung „Mummies of the world“.